Einführung zum Thema 

Festival Demenga, 2.-9. August 2020, Calancatal

Humor

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Wilhelm Busch

Liebe Festivalbesucherinnen, liebe Festivalbesucher,
das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Humor“. Der Begriff Humor stammt aus der antiken Lehre von den vier Temperamenten: sie definiert den Charakter eines Menschen aus der Mischung seiner Körpersäfte, den humores. Das Wechselspiel der Temperamente, der jähe sprunghafte Stimmungsumschwung mit dem niemand rechnet, galt als Inbegriff des Humoristischen. Auch heute gilt: Wenn etwas Unerwartetes geschieht, etwas eine völlig andere Wendung als erwartet nimmt, dann spricht man von Humor. Oder wenn zwei Dinge, die als Einheit dargestellt werden, absolut nicht zusammen passen wollen.
In der Musik erkennt man den Humor am ehesten, wenn ein bekanntes Stück persifliert wird. Ein Beispiel ist „Le Carnaval des animaux“ von Camille Saint-Saëns. Er zitiert hier Elfen und Sylphiden aus Werken von Felix Mendelssohn und Hector Berlioz, die er vom Kontrabass spielen und von Elefanten grazil tanzen lässt. Besonders boshaft ist er mit Jacques Offenbach umgegangen. Den Can-Can aus der  Oper „Orpheus in der Unterwelt“  lässt er die Schildkröten im Zeitlupentempo tanzen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Zuhörer das ursprüngliche Stück erkennen muss, um das Humoristische zu verstehen.

Anders ist es bei den bekannten Beispielen von Joseph Haydn. Mit der Paukenschlag Sinfonie  erteilte Haydn den Zuhörern, die vornehmlich in den langsamen Sätzen eindösten, eine klingende  Ohrfeige in Form eines heftigen Paukenschlags. Mit der berühmten Abschiedssinfonie inszenierte er die lang ersehnte Abreise der Musiker aus der Sommerresidenz von Fürst Nikolaus I., indem ein Musiker nach dem anderen zu spielen aufhört, sein Instrument einpackt, das Kerzlein am Notenpult löscht und das Podium verlässt, bis der Fürst mit seinem Gefolge alleine im Dunkeln zurückbleibt. Der Fürst hat den Wink verstanden und lässt die Musiker heimziehen.

Das Demenga Festival 2020 will bewusst HUMOR in die sogenannt „ernste Musik“ bringen. In jedem Konzertprogramm wird ein humorvolles Werk gespielt. So zum Beispiel Leroy Andersons Stück „The Typewriter“ für Schreibmaschine und Orchester. Der Komponist schreibt über dieses Stück, dass der Schreibmaschinenpart  wegen der rasenden Schreibgeschwindigkeit so schwierig ist, dass selbst professionelle Stenographen nicht fähig seien dieses Stück zu spielen und nur professionelle Schlagzeuger über die nötige Flexibilität im Handgelenk verfügen würden.  Es erwarten Sie in sieben Konzerten viele erheiternde Werke, spielfreudige Musiker, zwei Musikclowns und ein Programm Surprise.

Lassen Sie sich überraschen und…. es darf also nicht nur, es soll herzlich gelacht werden!


Annina Demenga
Künstlerische Leiterin


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